Frankreich

Stierkampf auf Provenzalisch

Gespannte Atmosphäre herrscht in der Stadt. Irgendwann ertönt von weitem Hufgetrappel. Der Abrivado, der Auftakt zum Stierkampf, kündigt sich an.

Course Camarguaise. Fotos Otmar Steinbicker

In vollem Galopp stürmt eine Gruppe von Gardians mit ihren Pferden durch die Straßen. Zwischen sich eingekeilt haben sie die Stiere, die sie in die Arena bringen. Jugendliche laufen mit und versuchen, die Stiere am Schwanz zu ziehen, um sie wilder zu machen und zu veranlassen, aus der Begleitung der Pferde auszubrechen. Doch die Gardians haben die Situation unter Kontrolle.

Der provenzalische Stierkampf ist im Unterschied zum spanischen unblutig und eher spielerisch-sportlich, wenn auch nicht ungefährlich.

Die Razeteurs, weißgekleidete junge Männer, versuchen, dem Stier eine zwischen seinen Hörnern befestigte Kokarde, ein briefmarkengroßes Stoffstück, sowie die links und rechts der Hörner baumelnden Troddeln, die "glands", zu entreißen.

Anders als in Spanien tritt der Stier auch nicht nur ein einziges Mal auf, sondern hat bis 20 Auftritte und kann so dazulernen. Nicht von ungefähr wird auf den Stierkampfplakaten in der Camargue vor allem mit den Namen als besonders wild bekannter Stiere geworben.

Zum Klang spanischer Torero-Musik stößt jemand das Tor auf und der Stier "Bibal" stürmt in die Arena. Etwas erstaunt schaut er sich um, dann beginnen schon die Razeteurs ihr schnelles Spiel.

Einer läuft auf den Stier zu und lenkt die Aufmerksamkeit auf sich, während ein anderer die Gelegenheit nutzt, um von der Seite her das Tier zu überholen, sich dann blitzschnell umzudrehen und mit einer Eisenkralle die Trophäe zwischen den Stierhörnern abzureißen.

ibal beginnt daraufhin, die Razeteurs zu verfolgen, doch schnell springen diese über die schützende Barriere oder lenken das Tier erfolgreich ab, bevor es einen von ihnen auf die Hörner nehmen kann. Bald sind die Trophäen erbeutet, wieder erklingt die Torero-Melodie und der Stier trottet geschlagen zurück in den Stall.

Sieben Stiere treten nacheinander an und nicht mit jedem haben die Razeteurs ein so leichtes Spiel, wie mit dem Anfänger Bibal. Mirabeau, der als vierter auftritt, ist der erklärte Liebling des Publikums. Immer wieder gelingt es ihm, in die Offensive zu kommen.

Auf der Flucht

Welthistorisch bedeutend sind die steinzeitlichen Funde und Höhlen an der Dordogne und Vézère, darunter die für ihre Wandmalereien berühmte Grotte von Lascaux und die Grotten von Les Eyzies. Hauptsächlich aus dem Mittelalter stammen mehr als 1000 Burgen und Schlösser vor allem entlang der Dordogne. Nicht wenige historische Orte wurden als Festungsstädte im Hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England gegründet. Besonders sehenswert ist neben der Altstadt von Bordeaux auch die historische Badestadt Arcachon mit ihren unterschiedlichen Villen in der Sommer- und der Winterstadt.

Er setzt den flüchtenden Razeteurs nach, droht die Bande abzureißen, über die sich soeben einer seiner Häscher in Sicherheit gebracht hat, setzt schließlich über die Barriere hinweg und jagt hinterrücks die Razeteurs in die Arena. Doch hin und wieder läßt sich der Stier doch von den geübten Razeteurs ablenken und so büßt Mirabeau allmählich seinen ganzen Schmuck ein und muß sich mit einem Schlußapplaus des Publikums begnügen.

Criquet schließlich, der als letzter an die Reihe kommt, läßt den Razeteurs nicht eine einzige Chance. Auf kein Ablenkungsmanöver läßt er sich ein, sondern nimmt gnadenlos die Verfolgung auf und scheut auch nicht den hohen Sprung über die Barriere, um ihnen nachzusetzen. Mit erhobenem Kopf und vollem Schmuck verläßt er beim Erklingen der die Torero-Melodie als Sieger die Arena.

Otmar Steinbicker

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