Am Strand in Arcachon. Fotos: Otmar Steinbicker

Frankreich

Mit dem Reisemobil rund um das Becken von Arcachon

Von Norden kommend, haben wir am Nachmittag in Andernos-les-Bains das Bassin d‘Arcachon erreicht und problemlos den gut ausgeschilderten Stellplatz am Port Ostréicole, dem Hafen der Austernzüchter gefunden. Wir haben Glück und können uns noch ein Plätzchen aussuchen, bevor sich allmählich der geräumige, für 55 Mobile ausgelegte Stellplatz füllt.

Das Bassin d‘Arcachon, wie das Becken von Arcachon im Französischen bezeichnet wird, gehört zu den wichtigsten und besten Austernzuchtgebieten Frankreichs und der Welt. Rund 350 Betriebe produzieren hier etwa 9000 Tonnen Austern pro Jahr.

Im Austernhafen von Andernos-les-Bains

Nur wenige Meter sind es vom Fahrzeug bis zu den Hütten der Austernzüchter, die dicht an dicht die schmalen Kanäle säumen auf denen ihre Boote und neben Sportbooten dümpeln. In den Hinterhöfen sind große Klärbecken zur Reinigung der Austern aufgebaut.

In mehreren Hütten werden auch Austern zum Probieren und zum Verkauf angeboten. Drei unterschiedliche Sorten werden angeboten: die Austern aus dem Bassin, vom Cap Ferret und von der Banc d'Arguin, einer Sandbank vor der Mündung des Beckens in den Atlantik. Wir wollen wissen, welche die Besten sind. „Die von der Banc d*Arguin“, erklärt uns der Züchter. Dort werden die Austern am besten von frischem Meerwasser umspült. Er hat dort seine Parzellen, in denen er im Frühsommer seine mit Kalk und Austernlarven bestrichenen Dachziegel auslegt und wartet dann drei bis vier Jahre, bis die Austern eine Größe von 8 bis 14 Zentimeter groß geworden sind und geerntet werden können.

Das Reisemobil als Feinschmecker-Restaurant. Die Meeresfrüchteplatte mit Langustinen, einer Taschenkrebsszange, Austern von der Banc d’Arguin und Bigorneaux. Zum nötigen Besteck gehören ein Crustache-Knacker für die Taschenkrebsszange, eine Nadel für die Bigorneaux, eine Austerngabel und ein Austernmesser. Dazu wird ein weißer Bergerac serviert.

Bei unserem kleinen Rundgang entdecken wir zum Schluss noch ein Fischgeschäft, die Poissonnerie „Chez Eliette“. Hier hält Frédéric Herreyre nicht nur die verschiedenen Austernsorten bereit, sondern ebenso Fische und Meeresfrüchte wie Langusten und Langustinen, Hummer, Taschenkrebse (Tourteaux) und Krabben sowie Meeresschnecken wie die großen Bulots und die kleinen Bigorneaux und ebenso verschiedene Muschelsorten wie die besonders leckeren Amandes an. Für uns dekoriert er eine Meeresfrüchteplatte auf Eis zum Mitnehmen. Die Zutaten dürfen wir selbst auswählen und für 20 Euro tragen wir eine stolze Platte zum nahen Stellplatz und bauen unser Reisemobil zum Feinschmecker-Restaurant um.

Da wir nicht zum ersten Mal an die französische Atlantikküste gereist sind, haben wir das nötige Besteck bereits an Bord: einen Crustache-Knacker für die Taschenkrebsszange, Nadeln für die Bigorneaux, Austerngabeln und ein Austernmesser. Und ebenso selbstverständlich steht bereits ein weißer Bergerac im Kühlschrank bereit.

Abendstimmung am Austernhafen in Andernos-les-Bains.

Nach dem feudalen Essen gönnen wir uns noch einen Rundgang am Ufer. Die Hütten der Austernzüchter sind nach dem Sonnenuntergang in ein karges Licht von Straßenlaternen gehüllt.

Das Bassin d‘Arcachon lohnt eine gründlichere Besichtigung. Zum Atlantik hin liegt die langgezogene Halbinsel bis zum Cap Ferret mit seinem hohen Leuchtturm an der Mündung des Beckens. Auf dem Weg dorthin reihen sich die Dörfer der Austernzüchter hintereinander. Eines der schönsten hat noch etwas von seinem urtümlichen Charakter bewahren können, auch wenn es schon lange kein Geheimtipp mehr ist: L‘Herbe.

Hütten der Ausernzüchter in L'Herbe“

Wir finden mit etwas Glück eine Parkmöglichkeit am Ufer des Beckens und genießen den Blick auf die im Wasser schaukelnden Boote. Das Dörfchen zieht sich als eine überschaubare Ansammlung farbenprächtiger Hütten landeinwärts. Die Werkzeuge der Austernzüchter die hier an den Wänden hängen, sind keine folkloristische Dekoration für Touristen. Auch hier stehen hinter den Hütten die Klärbecken für die Austern. Hier wird hart gearbeitet, gerade in der Saison. Austern müssen frisch auf den Tisch.

Essen auf der Terrasse des Restaurants „La Cabane des Kykouyou“

Die Touristen, die es nach L‘Herbe zieht, finden sich zum Abschluss des kleinen Rundgangs auf der auf Holzpfählen errichteten Terrasse des Restaurants „La Cabane des Kykouyou“ wieder. Es ist gerade ein größerer Tisch frei geworden und die Bedienung muss erst einmal eine Menge Austernschalen abräumen. Wir genießen derweil bei einem kühlen Weißwein als Aperitif den wunderschönen Panoramablick über das Bassin d‘Arcachon. „Genießen wie Gott in Frankreich“ – dieser Ort lädt dazu ein!

Am Cap Ferret

Durch dichte Pinienwälder fahren wir anschließend weiter zum Cap Ferret um einen Blick über die Mündung des Beckens zu werfen und am gegenüberliegenden Ufer die Düne von Pyla (Dune du Pilat) zu bestaunen: die höchste Wanderdüne Europas.

Eine Brücke oder Fähre zum anderen Ufer gibt es nicht. Wir müssen zurück über Andernos und die für ihr großes Vogelschutzgebiet bekannte Gemeinde Le Teich. Auch hier wie im benachbarten Gujan-Mestras werden Austern gezüchtet. Uns lockt Arcachon, die Stadt, die dem Bassin seinen Namen gab. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein war es ein verschlafenes Fischerdorf. Doch dann entdeckten die reichen Bürger von Bordeaux und auch solche aus Paris, den landschaftlichen Reiz dieser Lage am Südrand des Beckens und errichteten einen bedeutenden europäischen Luxusbadeort, dem Kaiser Napoléon III. persönlich die Stadtrechte verlieh.

Arcachon bietet einen kleinen Stellplatz am westlichen Ortsausgang, doch der kleine Platz an einer lauten, stark befahrenen Hauptstraße gefällt uns nicht. Da finden wir nur wenige Kilometer weiter westlich einen deutlich ruhigeren Stellplatz am Rande des großen Parkplatzes des Einkaufszentrums Leclerc in La Teste-de-Buch und haben dort noch einmal Gelegenheit unsere Vorräte aufzustocken.

Ticketverkauf für die Ausflugsboote an der Landungsbrücke in Arcachon.

Unmittelbar am Ufer des Bassins d’Arcachon erstreckt sich die Ville d’Été, die Sommerstadt. Weite Sandstrände liegen zwischen dem Ufer und der Strandpromenade, an der Restaurants zu Probieren vor von allem Austern und weiteren Meeresfrüchte einladen. Von der Landungsbrücke aus starten Ausflugsschiffe zu Rundtouren. Insgesamt sieben Kilometer lang ziehen sind die feinsandigen Strände von Arcachon und bieten je nach Lage wunderschöne Ausblicke auf die Halbinsel Cap Ferret, die Sandbank Banc d’Arguin oder die Dune du Pilat.

In der Ville d’Hiver, der Winterstadt

Hangaufwärts zieht sich die Ville d’Hiver, die Winterstadt, mit ihren prachtvollen Villen aus dem 19. Jahrhundert und ihren gepflegten Parks und Gärten. Hier hatten ab 1853 Brüder Émile und Isaac Péreire aus Bordeaux als Investoren ein Paradies für die reiche Bourgeoisie errichten lassen.

Gestärkt durch ein leckeres Essen mit Austern und Meeresfrüchten an der Strandpromenade brechen wir auf, um vom südlich gelegenen Villenvorort Pyla-sur-Mer auf die Dune du Pilat zu steigen. Gut 100 Höhenmeter müsssen wir bewältigen, bis wir von oben den Blick über die fast drei Kilometer lange und 600 Meter breite Düne und weiter zum Cap Ferret und zum Atlantik schweifen lassen können.

Otmar Steinbicker