Ferme du Bois Bareirou – Zu Gast beim Gänsezüchter. Fotos: Otmar Steinbicker

Frankreich

Mit dem Reisemobil das Périgord entdecken

Bei Bergerac erreichen wir die historische Landschaft des Périgord, die sich über das heutige Département Dordogne erstreckt. Dass es hier ein wenig anders ist als in anderen französischen Regionen, fällt uns bereits beim Besuch eines großen Supermarktes in der Peripherie von Bergerac auf. Hier gibt es in der Lebensmittelabteilung nicht nur die üblichen großen Fleisch- und Fischtheken, hier gibt es eine ebenso große Theke ausschließlich für Geflügelprodukte. Auch wenn sich Gänse- und Entenspezialitäten in ganz Südwestfrankreich großer Beliebtheit erfreuen, so schlägt doch im Périgord das Herz dieser Geflügelzucht.

In der Altstadt von Bergerac

Fachwerk und Renaissance in Bergerac

Mit etwas Glück finden wir in Bergerac noch ein letztes freies Plätzchen auf dem Parkplatz am alten Hafen an der Dordogne. Von hier aus sind es nur wenige hundert Meter Fußweg ins Herz der Altstadt. Vorbei an uralten, liebevoll gepflegten Fachwerkbauten stoßen wir zu den prachtvollen Patrizierbauten aus der Renaissancezeit an der Rue des Fontaines vor, deren hellgelbe Steine in der Sonne strahlen. Gleich auf zwei Plätzen begegnen wir Statuen, die dem französischen Autor Cyrano de Bergerac aus dem 17. Jahrhundert gewidmet sind. Die jeweils dargestellte Figur mit der charakteristischen großen Nase deutet jedoch eher auf den gleichnamigen Helden eines Theaterstücks, in dem Cyrano de Bergerac mit seiner großen Nase als Ghostwriter poetischer Liebeserklärungen auftrat. Wir erinnern uns an eine Verfilmung dieser Geschichte mit Gérard Depardieu im Jahr 1990. Zwar haben weder der eine noch der andere Cyrano de Bergerac irgendetwas mit der Stadt Bergerac zu tun, doch damit nimmt man es hier im Sinne eines florierenden Tourismus nicht ganz so genau.

Tabakanbau bei Bergerac

Bergerac stand einmal in Frankreich für den Tabakanbau. Das städtische Tabakmuseum erinnert daran mit einer großen Ausstellung zur 3000jährigen Geschichte des Tabaks. Noch heute wird in der Umgebung von Bergerac Tabak angebaut, auch wenn der Zigarettenkonsum in Frankreich drastisch zurückgegangen ist. Das Bild des typischen Franzosen mit der auf der Unterlippe festgeklebten Gauloises mit Tabak und Maispapier, beides Produkte aus dem Périgord, ist schon seit Jahrzehnten Vergangenheit.

Heute steht Bergerac eher für seinen guten Wein, der als Rotwein, Rosé, trockener Weißwein, Süßwein oder Likörwein ausgebaut wird. Auch der Monbazillac gehört zum Weinbaugebiet Bergerac. Der edelsüße Weißwein wird im Périgord besonders gern zur Gänseleber (Foie Gras) getrunken. Hin und wieder stößt man auf die mit tiefer Überzeugung vorgetragene Behauptung, der liebe Gott habe den Monbazillac eigens zu diesem Zweck erschaffen. Wer die Kombination dieses Weines mit der Gänseleber genießt, wird keine Zweifel an der Richtigkeit dieser Aussage zu äußern wagen.

Ecke Rue des Conférences / Rue des Fontaines.

Die Stadtbesichtigung lassen wir mit einem Aperitif im Café „PlusQueParfait“ an der Ecke Rue des Conférences / Rue des Fontaines ausklingen. Auf dem Weg zum Reisemobil besuchen wir noch das „Maison des Vins“, um einen guten Tropfen für den Abend auszusuchen, natürlich einen Bergerac und für den Abend einen roten.

Reisemobil-Stellplatz in Bergerac

Der Reisemobilstellplatz „Aire de Pombonne“ liegt weit vom Zentrum entfernt im Nordosten der Stadt unweit der Hauptstraße nach Périgeux. Er ist beeindruckend gepflegt und angenehm ruhig. Auch hier haben wir Glück und ergattern noch einen der sechs kostenlosen Übernachtungsplätze. Für diese ist der Aufenthalt auf 24 Stunden begrenzt. Auf dem noch komfortableren kostenpflichtigen Platzteil dürfen die Gäste bis zu 72 Stunden bleiben. Der Preis ist mit fünf Euro für eine und bis zu zwölf Euro für drei Nächte ausgesprochen moderat.

Abteikirche Saint Nicolas in Trémolat

Trémolat – Wo Chabrol den „Schlachter“ drehte

Am nächsten Morgen führt uns der Weg nach Trémolat. In dem reizvollen Ort drehte 1970 der französische Regisseur Claude Chabrol seinen Film „Der Schlachter“. Die weithin sichtbare Abteikirche Saint Nicolas, deren älteste Teile aus dem 11. Jahrhundert stammen, wirkt aus der Ferne eher wie eine Festung. Sie diente in den Kriegen des Mittelalters den Dorfbewohnern als Zuflucht.

Auch Trémolat hat einen kostenlosen Reisemobilstellplatz, sogar im Zentrum des kleinen Ortes neben der Salle des Fêtes. Richtig einladend ist er leider nicht. Am Rande des Platzes befinden sich große Müllcontainer, die auch von den Dorfbewohnern fleißig genutzt werden. Dennoch mag man in der Saison, wenn andere Plätze überbelegt sind, froh sein, diesen Platz als Ausweichmöglichkeit zu kennen.

Mittelalterliches Ambiente in Limeul

Limeuil ist auf dieser Tour das erste aber nicht das einzige Dorf, das zur Vereinigung der schönsten Dörfern Frankreichs „Les plus beaux villages de France“ gehört. Voraussetzung für die Verleihung dieses Titels sind eine außergewöhnliche Erhaltung und Pflege des kulturellen Erbes. Derzeit (Stand Januar 2018) tragen 157 Dörfer in Frankreich diesen Titel. In keiner Ecke des Landes liegen einige von ihnen so nahe beieinander wie auf unserer Route.

Eine schmale Gasse zieht sich durch Limeuil den Hang hinauf.

Limeuil hat sich diesen Titel verdient durch sein einzigartiges Ensemble mittelalterlicher dörflicher Architektur. Eine schmale Gasse zieht sich vom Ufer der Vézère den Hang hinauf. Reisemobile dürfen hier nicht fahren, allenfalls kleine PKWs der Einwohner. In den letzten 25 Jahren hat auch hier der Tourismus Einzug gehalten. In mehreren der uralten kleinen Häuschen sind Restaurants und Boutiquen eingezogen. Dennoch hat Limeuil viel von seinem ursprünglichen Charme bewahren können.

Sehenswert ist vor allem die Kirche Saint-Martin aus dem 12. Jahrhundert, die dem heiligen Martin und Thomas Becket, dem 1170 ermordeten Bischof von Canterbury geweiht ist. Richard Löwenherz, der englische Königssohn, der im Hundertjährigen Krieg in Südwestfrankreich für England kämpfte, hatte persönlich angeordnet, die Kirche Thomas Becket zu weihen.

Von der Burg, die einst oberhalb des Ortes strategisch günstig lag, sind nur wenige Reste übrig geblieben. Dennoch lohnt sich der Aufstieg, der mit einem Panoramablick über die Mündung der Vézère in die Dordogne belohnt wird.

Wer mit dem Reisemobil in Limeuil übernachten möchte, sollte auf der Umgehungsstraße zum Campingplatz „La Ferme des Poutiroux“ fahren. Monsieur Frabret hatte vor über 20 Jahren auf seinem Bauernhof einen Reisemobilstellplatz eingerichtet, der sich schon bald großer Beliebtheit auch bei Gästen aus Deutschland erfreute. Mittlerweile wurde der ehemalige Stellplatz zu einem veritablen Drei-Sterne-Campingplatz mit Pool und allen Annehmlichkeiten ausgebaut. Selbstverständlich bietet Monsieur Frabret auch die Erzeugnisse seines Hofes zum Kauf an. Selbst gemachte Marmelade, Geflügelprodukte und natürlich Gänseleberpastete sind seine Spezialitäten.

Auf den Spuren von „Bruno, Chef de Police“ in Le Bugue

Le Bugue

Weiter die Vézère aufwärts gelangen wir nach Le Bugue. In Deutschland ist die Gemeinde am ehesten durch die Kriminalromane des britischen Autors Martin Walker bekannt, der in der kleinen Stadt lebt. Seine Romanfigur Bruno, Chef de police im fiktiven „Saint-Denis“, ist dem real existierenden Gendarmen Pierrot Simmonet aus Le Bugue nachempfunden. Wie in jedem Kriminalroman müssen auch hier Morde aufgeklärt werden. Eigentlich sind die handelnden Figuren aber eher an gutem Essen interessiert, im Restaurant oder am eigenen Herd liebevoll und mit den besten regionalen Produkten des Périgord gekocht.

Im Ortszentrum fahren wir über die alte Brücke mit ihren steinernen Bögen auf das linke Ufer der Vézère, wo sich landschaftlich reizvoll gelegen und sehr ruhig der kommunale Reisemobilstellplatz erstreckt. Für 7 Euro, Ver- und Entsorgung inklusive, verbringen wir eine angenehme Nacht. Wir haben so gut geschlafen, dass wir garnicht gemerkt haben, dass jemand einen Prospekt unter den Scheibenwischer geklemmt hat. Der Bauernhof „Ferme du Bois Bareirou“ in Montignac bietet sich darin als Stellplatz an und verweist auf seine ausgezeichnete Gänseleber. Das klingt interessant. Bis Montignac sind es jedoch noch einige Kilometer und dazwischen liegen noch ausgesprochen sehenswerte Orte. So legen wir den Prospekt vorerst einmal beiseite.

Der Mitarbeiter im örtlichen Office de Tourisme direkt auf dem anderen Flussufer in Höhe der Brücke ist sehr hilfsbereit und deckt uns reichlich mit Prospekten des Ortes aber auch darüber hinaus ein. Da lockt die Grotte Bara-Bahau mit ihren 15.000 Jahre alten Zeichnungen. In den weichen Kreidekalk wurden 26 Abbildungen geritzt, darunter 16 Tiere, Auerochsen und Wisente, ein Rentier, ein Bär und ein Steinbock.

Freilichtmuseum „Village du Bournat“

Und dann gehört ein Besuch im Freilichtmuseum „Village du Bournat“ zum Pflichtprogramm. Auf einer Fläche von sieben Hektar wurde ein typisches Bauerndorf des Périgord aus der Zeit um 1900 nachgebaut und in den Dorfstraßen gibt es viel zu entdecken: das Rathaus aus den hellen Steinen des Périgord, eine Kapelle, eine Schule, eine Windmühle, ein Gemüsegarten. Schauspieler zeigen uns alte Handwerkskunst. Wir schauen einem Messerschmied über die Schulter, bewundern das Geschick einer Töpferin und in der Schule lassen wir uns von der Lehrerin zeigen, wie Schönschrift geschrieben wird.

Les Eyzies, die Heimat der Steinzeitmenschen

Nur wenige Kilometer sind es von Le Bugue in den Nachbarort Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil. Diese Gemeinde am Ufer der Vézère gilt als Welthauptstadt der Prähistorie. Nirgendwo anders hat man auf so engem Raum so viele Funde aus der Vorgeschichte geborgen. Bereits 1979 hat die UNESCO Les Eyzies und das Vézère-Tal in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Im Nationalen Museum der Prähistorie in Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil

Einen tiefen Einblick in diese Anfänge der Menschheitsgeschichte vermittelt das Nationale Museum der Prähistorie, das bereits 1918 begründet und 2004 zu einem architektonisch sehr modernen Museum umgestaltet wurde. Gezeigt wird eine der beeindruckendsten Sammlungen von Funden aus der Altsteinzeit, aus Werkstätten, in denen Steinwerkzeuge hergestellt wurden, aus Gräbern und Höhlen. Hier stoßen Besucher auf die Spuren der ersten Menschen. In Vitrinen werden Steinwerkzeuge und Elfenbeinschmuck gezeigt und die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft seit 400.000 Jahren dokumentiert.

Der Schädel und das Skelett von Madame Pataud zählt zu den bedeutendsten Steinzeit-Funden.

Eine der interessantesten Fundstätten ist das angrenzende Abri Pataud. Unter einem Felsüberhang hatten sich bereits in der Steinzeit Menschen Schutz gefunden und angesiedelt. Bei einer Führung können die Besucher über einen Spiegel ein Flachrelief eines Steinbocks erblicken, das die Decke der Höhle krönt. Erst 1986 wurde auf einem Felsblock die eingravierte Silhouette einer Frau entdeckt. In dem Abri wurden der Schädel und Skelett einer 16-jährigen Frau mit ihrem Neugeborenen entdeckt. Daneben lag eine Halskette mit Perlen und durchbohrten Zähnen. Die Frau wurde Madame Pataud genannt und gab dem Fundort den Namen.

Früher wurde das Vézère-Tal auch schon einmal als „Wiege der Menschheit“ bezeichnet. Doch diese Deutung ließ sich nicht mehr aufrechterhalten. Im Museum der Prähistorie wird eingeräumt, dass die ersten Menschen wohl aus Afrika stammten und von dort aus im Laufe einer langen Zeit bis nach Europa wanderten. Für Zeitgenossen, die sich hierzulande vor Einwanderern aus Afrika fürchten, muss es eine schreckliche Vorstellung sein, eben von solchen selbst abzustammen.

Unter den Felsvorsprüngen (Abris) lebten in Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil bereits von zehntausenden Jahren Menschen.

Es war wohl die fruchtbare Landschaft des Périgord, die genügend zu essen hervorbrachte und es waren die Höhlen und Felsüberhänge, die Schutz vor den Unbilden des Wetters und vor wilden Tieren boten, die eine frühe und dauerhafte Ansiedlung der Steinzeitmenschen ermöglichte. Mit dem guten Essen steht das Périgord seit dieser in einer guten Tradition.

Reisemobil-Stellplatz in Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil

Reisemobilisten, die sich in Les Eyzies Zeit für die vielfältigen Besichtigungsmöglichkeiten nehmen möchten, finden auf dem schön angelegten, geräumigen und ruhigen Stellplatz am Ufer der Vézère, unterhalb des Abri Pataud eine gute Übernachtungsmöglichkeit.

Saint-Léon-sur-Vézère

Saint-Léon-sur-Vézère – ein Dorf spiegelt sich im Fluss

Weiter die Vézère aufwärts kommen wir in Saint-Léon-sur-Vézère erneut in eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Das Ortsbild, das sich in der Vézère spiegelt, lässt Fotografenherzen höher schlagen. Die kleinen Gassen sind schnell erkundet, doch die romanische Pfarrkirche Saint Léon lohnt für kunsthistorisch Interessierte einen Besuch. Überaus reizvoll ist der kleine kommunale Campingplatz direkt am Ufer der Vézère. Wer ein kleineres Mobil und etwas Glück hat, noch einen der begehrten Plätze geniesst eine Traumlage und möchte dort womöglich mehrere Tage verweilen.

Zwischen der Vézère-Brücke und dem Campingplatz befindet sich ein Kanu-Verleih. Dort kann man für unterschiedlich lange Strecken ein Kanu mieten und wird später am vereinbarten Landeort vom Vermieter mit einem Kleinbus abgeholt. Das Landschaftserlebnis einer solchen Kanutour ist absolut beeindruckend.

Der Reisemobilstellplatz, der auch für große Mobile geeignet ist, ist ruhig und zugleich zentrumsnah gelegen.

Montignac: Zu Gast beim Gänsezüchter

Wir hatten natürlich den Prospekt des Gänsezüchters in Montignac nicht vergessen, der auf seinem Bauernhof einen Reisemobilstellplatz anbot. Die Anfahrt gestaltete sich etwas problematisch, da der Hof zwar auf dem Gemeindegebiet aber doch einige Kilometer vom Ortszentrum entfernt liegt. Das Navi wollte uns partout die kürzeste Strecke von Saint-Léon zum Bauernhof führen, aber hin und wieder erschien uns die angebotene Strecke über die Wirtschaftswege wenig passabel. Also fuhren wir auf der Hauptstraße bis zum Ortsanfang von Montignac und versuchten von dort aus unser Glück, mit Erfolg! Von Montignac aus konnten wir in Richtung Fanlac problemlos den Schildern „Foie Gras Bois Bareirou“ folgen.

Ferme du Bois Bareirou – Zu Gast beim Gänsezüchter

Diese Stellplatzwahl erwies sich als Glücksgriff. Der Platz für 15 Mobile ist sehr ruhig gelegen. Einige Stellflächen sind eher eben, andere leicht geneigt. Die Übernachtung ist kostenlos, Ver- und Entsorgung sowie Strom kosten jeweils 3 Euro.

Ein Rundweg führt vom Stellplatz aus zu den verschiedenen Etappen der Gänse- und Entenzucht. Die jüngeren Tiere werden in Gehegen gehalten. Drahtnetze schützen sie vor Raubvögeln. Ältere Gänse watscheln frei auf dem Wiesengelände und schauen auch schon mal neugierig bei den Reisemobilisten vorbei . Ernährt werden die Tiere ausschließlich mit selbstangebauten Produkten, vor allem Mais. Die Felder sind in Sichtweite.

Maisanbau auf der Ferme du Bois Bareirou

Solch strenge Regeln geben sich nur noch wenige Gänsezüchter im Périgord. Diese Qualität lässt sich schmecken. Produziert und vor Ort sowie in ausgewählten Geschäften der Umgebung werden Gänseleber (foie gras), aber auch Entenbrust, Gänseschmalz sowie Confit, im eigenen Fett gebratenes und in diesem Schmalz eingemachtes Fleisch von Gänsen und Enten.

Dass wir zum Abendessen ein Döschen Gänseleber aus dem kleinen Hofladen probierten, versteht sich. Am nächsten Morgen haben wir davon gleich mehrere Dosen gekauft und zuhause unsere Gäste beeindrucken können.

In der Sixtinischen Kapelle der Steinzeit

Wer entlang der Vézère nach Montignac kommt, darf einen Besuch der Höhle von Lascaux nicht versäumen, die wegen ihrer beeindruckenden Zeichnungen gerne auch als „Sixtinische Kapelle der Frühzeit“ bezeichnet wird. Über das Alter der Höhle und der Zeichnungen differieren die Schätzungen zwischen 15.000 und 36.000 v. Chr.

In der Höhle Lascaux II. Foto: CP Semitour Perigord

Die Originalhöhle bleibt Besuchern allerdings verwehrt und das ist auch gut so. Zwischen 1948 und 1963 hatte man dort mehr als tausend Besucher pro Tag hineingelassen und schließlich allein durch die Atemluft der Gäste erhebliche Schäden bis hin zur Schimmelbildung an den selten wertvollen Zeichnungen feststellen müssen. Seit 1983 steht nur wenige hundert Meter von der Originalhöhle eine exakte Nachbildung „Lacaux II“ zur Besichtigung offen. Gut, nicht alles wurde nachgebaut, wohl aber der außerordentlich beeindruckende „Saals der Stiere“ sowie der axiale Seitengang. So können heute rund 250.000 Menschen aus aller Welt jährlich einen unvergesslichen Eindruck dieses Weltkulturerbes gewinnen.

Der „Saal der Stiere“ zeigt große Auerochsen, Wildpferde, Hirsche, einen Bär und auch ein Einhorn. Die verwendeten Farben stammen aus der unmittelbaren Umgebung. Die orangen, gelben und roten Farbtöne wurden aus Eisenoxiden gewonnen und direkt auf die von Kalzit überzogenen Wände aufgetragen.

Dass wir angesichts des Andrangs selbst außerhalb der Hochsaison eine beträchtliche Wartezeit in kauf nehmen mussten, war uns bewusst. Gelohnt hat sich der Besuch allemal!

Sarlat-la-Canéda

Sarlat-la-Canéda, die Hauptstadt der Feinschmecker

Maison de La Boétie

Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich die Stadt Sarlat-la-Canéda. Wir waren schon häufiger dort, vormittags zum Markt, nicht aber zu dieser späten Zeit. Dieses Mal waren wir aufs Neue fasziniert. Die Abendsonne tauchte die historische Altstadt in ein warmes Licht, dass die gelben Steine der Renaissancepaläste erstrahlen ließ und den Marktplatz und die Kathedrale vortrefflich ausleuchtete.

Den großen Marktplatz unweit der Kathedrale säumen das barocke Rathaus und prächtige Paläste wie das verwinkelte Hôtel de Maleville.

Am benachbarten kleinen Platz vor der Kirche stehen der ehemalige Bischofspalast mit einer offenen Loggia im Obergeschoss sowie die Maison de La Boétie, in dem der Politiker und Schriftsteller Étienne de La Boétie, ein Freund Michel de Montaignes, der 1530 geboren wurde.

Hinter der Kathedrale führt eine kleine Straße zur Lanterne des Morts (Totenlaterne). Der runde Turm hatte einst als Friedhofskapelle gedient. Für Fotografen entfaltet Sarlat seinen besonderen Reiz, wenn die honig- bis ockerfarbenen Steine der Paläste in der warmen Abendsonne erstrahlen.

Auf der malerischen Place du Marché-aux-Oies wurde den Gänsen ein viel fotografiertes Denkmal gesetzt.

Auf dem Markt

Wenn das Herz des kulinarischen Frankreichs im Périgord schlägt und das Herz des kulinarischen Périgord im Périgord noir, dann schlägt das Herz des kulinarischen Périgord noir in dessen „Hauptstadt“ Sarlat. Wer auch nur ein wenig davon erspüren möchte, sollte unbedingt einen Marktbesuch mit einplanen. Samstags lockt in der gesamten Altstadt ein großer Markt, auf dem vor allem kulinarische Produkte aber auch Kleidung und Kunsthandwerk präsentiert werden. Bauern aus der Region kommen mit selbst produzierter Foie Gras, Trüffeln, Walnüssen, Pilzen, Nüssen, Nussöl, Nusslikör und vieles mehr.

Am Mittwochvormittag findet ein kleinerer Lebensmittelmarkt statt. Die ehemalige Kirche Sainte Marie wird heute als Markthalle genutzt. In der Sommersaison ist sie jeden Vormittag geöffnet, am Freitag auch nachmittags.

Sarlat zu besuchen, heißt auch, kulinarische Spezialitäten einzukaufen. Wer diese zu schätzen weiß, wird hier fündig. Die Grenzen bestimmen im Zweifelsfall der Kontostand und die Zuladungsfähigkeit des Reisemobils. Selbstverständlich sind die hochwertigen kulinarischen Produkte des Périgord nicht „billig“, sie sind aber im wahrsten Sinne des Wortes „preiswert“ – also ihren Preis wert! Das gilt auch für die vielen Restaurants in der Altstadt. Hier zu speisen, bleibt ein unvergessliches Erlebnis.

Reisemobil-Stellplatz in Sarlat-la-Canéda

Reisemobilisten, die Sarlat mitsamt seinem Markt erleben möchten, sollten beizeiten anreisen. Die wenigen Stellflächen auf dem Reisemobilstellplatz an der Avenue du Général de Gaulle oberhalb der Altstadt sind auch außerhalb der Saison schnell belegt und ebenso der wenige hundert Meter weiter südlich gelegene Übernachtungsplatz ohne Ver- und Entsorgung.

Domme – der Balkon über der Dordogne

Von Sarlat-la-Canéda setzten wir die Tour nach Süden fort und nach wenigen Kilometern erreichten wir die historische Bastide Domme.

Der berühmte Blick von Domme auf die Dordogne

Domme bietet ein faszinierendes Panorama. Von der Promenade am nördlichen Ortsrand streift der Blick aus 250 Meter Höhe weit über das Tal der Dordogne. Von der Aussichtsterrasse La Barre erkennt man im Westen die Burganlage von Beynac und im Osten die Dordogne-Schleife von Montfort.

Bei einer solchen Lage sollte es niemanden verwundern, dass der Ort im Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich und den späteren Religionskriegen eine immense militärische Bedeutung hatte und Domme planmäßig als Bastide ausgebaut wurde.

Bastiden waren im Unterschied zu Burgen Städte und Dörfer, die unter militärischen Gesichtspunkten angelegt wurden und in der Regel einen schachbrettartigen Grundriss mit rechtwinklig ausgerichteten Straßen aufwiesen und mit Wehrmauern, Türmen und Toren gesichert wurden. Rund 400 solcher befestigter Dörfer wurden zwischen 1229 und 1373 im Südwesten Frankreichs errichtet.

Ein schachbrettartiger Grundriss ließ sich aber nur in der Ebene realisieren, nicht bei der Hanglage von Domme. Die enorme Bedeutung dieser Bastide zeigte sich in den Privilegien, die sie erhielt. So durfte sie eigene Konsuln wählen, ihre öffentliche Verwaltung und eine örtliche Gerichtsbarkeit betreiben. Sie erhielt verschiedene Steuerbefreiungen und sogar das Recht zur Prägung eigener Münzen.

Dass auch Domme zu den schönsten Dörfern Frankreichs gehört, versteht sich.

Haus des Münzprägers auf der Place de la Rhode.

Das Zentrum des Ortes bildet die Place de la Halle mit der Markthalle aus dem 17. Jahrhundert. Unter ihren Arkaden befindet sich der Eingang zu einer Tropfsteinhöhle mit teilweise zusammengewachsenen Stalagmiten und Stalaktiten, die der Bevölkerung in Kriegszeiten als Zuflucht diente. Gegenüber steht das Maison de Gouverneur aus dem 16. Jahrhundert, in dem heute das Office de Tourisme untergebracht ist. Die Kirche wurde nach der Zerstörung durch die Hugenotten 1622 wieder aufgebaut, Ihr Portal und der Glockenturm stammen aus dem Jahr 1837.

Reisemobil-Stellplatz in Domme

Reisemobilisten sind seit langem auch in Domme willkommen. Der große Stellplatz unterhalb des Stadttores Porte des Tours auf dem Parkplatz Le Pradal ist gut ausgeschildert. Das Parken kostet tagsüber 3 Euro, die Übernachtung zusätzlich 7 Euro. Ver- und Entsorgung sowie Strom werden für jeweils 2 Euro angeboten. Wer den Fußweg hoch in den Ort scheut, kann auch alle 30 Minuten mit einem kleinen Touristenzug fahren.

La Roque-Gageac an der Dordogne

La Roque-Gageac – mit dem Ausflugsboot über die Dordogne

Nur wenige Kilometer flussabwärts erreichen wir La Roque-Gageac. Das Fotomotiv des reizvollen Ortes am Ufer der Dordogne-Schleife, das sich an einer nach Süden ausgerichteten Felsklippe hochzieht, darf in keinem Frankreich-Bildband fehlen. Neben dem außergewöhnlich beeindruckenden Panorama bietet die Gemeinde ein mediterranes Klima und eine teilweise subtropische Vegetation, die La Roque-Gageac den Beinamen „Kleines Nizza“ des Périgord einbrachte. Dass auch La Roque-Gageac zu den schönsten Dörfern Frankreichs zählt, versteht sich.

Bis zum zwanzigsten Jahrhundert spielte La Roque-Gageac als Handelsplatz für die Binnenschifffahrt auf der Dordogne eine Rolle. Auf Schiffen mit flachem Boden, den traditionellen Gabarres, wurden die Produkte der Umgebung nach Bergerac und weiter bis zur Küste transportiert. Heute werden für die Besucher Bootstouren auf den Gabarres angeboten, um die außerordentliche Schönheit der Dordogne-Schleifen zu erkunden. Wer sportlicher und individueller sein möchte, kann auch mit dem Kanu auf Dordogne abwärts fahren. Die Haltestelle für die Gabarres und die Kanu-Vermietung befinden sich in unmittelbarer Stellplatznähe.

Eine solche Bootsfahrt oder Kanutour flussabwärts vorbei an Château Castelnaud und Beynac gehört zu den unvergesslichen Höhepunkten einer Reise durch das Périgord.

Der begehrte Stellplatz für 20 Mobile am Dordogne-Ufer weist enge Parkbuchten auf. Trotz der Nähe zur Uferstraße D 703 und der zentralen Lage nahe der Kanustation ist er relativ ruhig.

Château Castelnaud

Château Castelnaud – Museum mittelalterlicher Kriegführung

Auch von der Straße her ist Château Castelnaud von weitem sichtbar. Wer die Burg aus der Nähe sehen möchte, muss in Castelnaud-la-Chapelle hoch hinaus. Mit dem PKW, aber auch mit dem Reisemobil ist das problemlos möglich.

Die strategisch herausragende Lage der Burg hoch über der Dordogne war auch während des Hundertjährigen Krieges zwischen Frankreich und England für beide Seiten von großem Interesse. Von daher war Castelnaud heftig umkämpft und wechselte mehrmals den Besitzer. Mit dem Ende dieses Krieges verlor Castelnaud seine militärische Bedeutung.

Die Burg thront über dem Ort

Die Religionskriege hatte die Burg noch unbeschadet überstanden und wurde am Ende des 16. Jahrhunderts sogar noch einmal erweitert. Doch mit Beginn der Französischen Revolution 1789 war für Château Castelnaud das Schicksal besiegelt. Die Burg wurde geplündert und in Brand gesetzt. Die Mauern blieben immerhin noch bis 1832 erhalten, doch dann wurde beschlossen, die Burg als Steinbruch auszubeuten, um das Ufer der Dordogne zu befestigen.

Erst 1966 wurde der Verfall gestoppt, Château Castelnaud unter Denkmalschutz gestellt und zwischen 1974 und 1998 teils rekonstruiert, teils vor weiteren Verfall geschützt. wurden nur vor einem weiteren Verfall geschützt. Die Gemeinde zählt ebenfalls zu den schönsten Dörfern Frankreichs.

Heute ist in Château Castelnaud ein beeindruckendes Museum mittelalterlicher Kriegführung eingerichtet. Mehr als 250 Exponate, darunter Schwerter, Hellebarden, Armbrüste, Feuerwaffen, Rüstungen und Belagerungswerkzeuge sind zu besichtigen.

Ein Reisemobilstellplatz befindet sich in unmittelbarer Nähe des Schlosses und bietet ausgewiesenen Platz für zehn Mobile.

Beynac-et-Cazenac

Château Beynac – Das Schloss von Richard Löwenherz

Wer das Château Castelnaud besucht, darf auch den Nachbarort Beynac-et-Cazenac nicht auslassen, der ebenfalls die Auszeichnung eines der schönsten Dörfer Frankreichs besitzt.

Malerisch breitet sich das Dorf vom Dordogne-Ufer aus auf felsigen Terrassen unterhalb einer 150 Meter hohen Steilwand aus. Ganz oben thront in strategisch herausragender Lage ein Schloss aus dem 12. Jahrhundert. 1194 übernahm Richard Löwenherz in seiner Eigenschaft als Herzog von Aquitanien vorübergehend die Burg, die während des Hundertjährigen Krieges umkämpft war und mehrfach den Besitzer wechselte.

Nach der französischen Revolution blieb die Burg bis 1961 unbewohnt, bis sie einen privaten Käufer fand. Seither wurde und wird sie weiter restauriert. 1999 drehte der französische Filmregisseur Luc Besson Szenen seines Films „Johanna von Orleans“ vor der Kulisse von Château Beynac.

Sehenswert im Inneren ist der mittelalterliche Saal „Grande Salle des Etats“ mit einem mit Steinreliefs verzierten Renaissancekamin, Spitzbogengewölbe und Spitzbogenfenstern aus dem 17. Jahrhundert.

Otmar Steinbicker